DIE ARBEIT IN EINER MONTESSORI-KLASSE 

„Montessori? Dürfen da nicht die Kinder die meiste Zeit tun was sie wollen?"

„Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie jedes Kind etwas anderes arbeiten kann und die Lehrerin den Überblick behält!"

„Ich hätte gern, dass mein Kind später das Gymnasium besucht – kann es das mit so viel Freiraum?"

Solche und ähnliche Fragen werden uns LehrerInnen oft gestellt. Verständlich, hat man selbst doch seine Schulzeit ganz anders erlebt und meist nur Frontalunterricht, die ganze Klasse im Gleichschritt, kennen gelernt.

Die vom Lehrplan her geforderte Individualisierung und Differenzierung sowie die Begabtenförderung und Unterstützung Schwächerer lässt sich durch die Prinzipien Maria Montessoris ideal verwirklichen.

 

Doch wie findet unser MONTESSORI-SCHULTAG statt?

Der Tag beginnt meist mit einem Morgenkreis: 

Lehrerin und Kinder begrüßen einander und erzählen vom Vortag. Eventuell wird auch ein Thema gemeinsam behandelt – wen es dann mehr interessiert, der hat in der Freiarbeit Gelegenheit, sich intensiver damit zu beschäftigen. 

Dann folgen zwei bis drei Stunden Freiarbeit. Die Kinder wählen eine Arbeit, die sie vielleicht schon am Vortag begonnen haben oder etwas Neues. Wer sich nicht entscheiden kann, dem helfe ich geduldig.

Bald wird eifrig geschrieben, gelesen, gerechnet - vieles natürlich mit dem entsprechenden Montessori-Material.

Die Klasse ist freundlich gestaltet und bietet eine „vorbereitete Umgebung", die die Kinder einlädt, sich mit vielerlei Dingen sinnvoll zu beschäftigen und sich weiter zu entwickeln.

Es ist leise, die Kinder arbeiten allein, zu zweit oder auch zu dritt, es wird aber nur das Notwendigste gesprochen, damit alle in Ruhe arbeiten können.

Ich helfe bei der Auswahl des Lernstoffes, erkläre, zeige neue Materialien vor und beobachte. Durch den intensiven Kontakt weiß ich meist ganz genau, wo jedes Kind steht, und wo es meine Unterstützung benötigt. Zusätzlich mache ich mir Aufzeichnungen über die geleistete Arbeit.

Die Freiarbeit endet oft mit einer „Stilleübung". Die ganze Klasse versammelt sich im Sitzkreis und zu ruhiger Musik entspannen sich alle Kinder, machen eine „Phantasiereise", gehen „auf der Linie", legen ein Mandala auf oder vieles mehr. Hier wird nun die Imagination geschult, das Gelernte gefestigt und soziales Lernen gefördert.

Anschließend präsentieren manche Kinder ihre Arbeit, lesen eine selbst verfasste Geschichte vor oder stellen ein besonders interessantes Material oder Buch vor.

Im Anschluss an die Freiarbeit finden nun Turnunterricht, Zeichnen, Werken, Musik und Religion statt und werden nach Stundenplan mit allen Kindern gemeinsam durchgeführt.

Die Klassengemeinschaft, die durch gemeinsame Stunden gefördert wird, ist auch für eine Montessori-Klasse ein wichtiger Faktor zur zwischenmenschlichen Erziehung.

In einer Montessori-Klasse versuchen wir, die von Maria Montessori erkannten Phänomene wie sensible Phasen und Polarisation der Aufmerksamkeit zu berücksichtigen, die Kinder als vollwertige Menschen zu respektieren und sie durch Fördern und Fordern durch ihren Schulalltag mitsamt Lehrplan und Stundenplan zu begleiten.

Soziales Lernen, Teamarbeit und Respekt sind hier keine Schlagworte sondern Realität. Durch die Freie Wahl der Arbeit, Runden, in denen Arbeiten präsentiert werden, Stilleübungen und vieles mehr ist eine Montessori-Klasse ein Ort, wo Kinder gern arbeiten und lernen. Und lebenslanges Lernen wird wichtiger denn je - also sollte man die Freude daran erhalten!

 

ZEUGNISSE

In den meisten Montessori-Klassen wird eine der folgenden Formen als Beurteilung gewählt:

Verbale Beurteilung
Kommentierte Direkte Leistungsvorlage
Pensenbuch

Erst in der 4. Schulstufe erhält das Kind am Ende des 1. Semesters und des Schuljahres ein Notenzeugnis.

Lieselotte Boran, Montessori-Lehrerin