EIN TAG IN EINEM MONTESSORI-KINDERHAUS

Der Tagesablauf im Kinderhaus wird sich wohl in den verschiedenen Einrichtungen ziemlich unterscheiden, vom Aufbau und der Grundeinstellung her wird er aber doch ähnlich sein.

Ich möchte einen ganz normalen Tag in meinem Kindergarten in Wien schildern, in dem ich als Montessori-Pädagogin mit zwei Kolleginnen in meiner Gruppe arbeite.

 

Der Tag beginnt um 7 Uhr. Die Kinder kommen in die Halle und können schon die Gruppenräume aufsuchen. Unseren Gruppenraum gestalteten wir als „Vorbereitete Umgebung", und am Vortag wurden bereits Lernangebote und individuelle Hilfen für die Kinder hergerichtet. Durch Beobachtungen können so persönliche Interessen gefördert werden.

Ab 8 Uhr finden die Kinder rasch Arbeiten oder helfen beim Herrichten der Jause. Lebensmittel und Tee und andere Dinge werden aus der Küche geholt;

Der 2-jährige Marko ist seit Tagen mit Wasserkännchen und Hirselöffeln beschäftigt und auch heute holt er wieder ein Tablett vom Tisch für die „Übungen des täglichen Lebens". Carmen (3 Jahre) hat sich mit Hilfe eines großen Mädchens die Schürze umgebunden und malt an der Malwand. Für unterschiedliche Techniken sind Farben und Utensilien immer frei verfügbar.

Sabina arbeitet unterdessen mit dem „Beweglichen Alphabet" und bereitet sich bereits erste Lese- und Schreibaufgaben vor!

Denisa hilft die Jause herrichten! Obst ist zu waschen, Karotten sind zu schälen, Äpfel werden geschnitten und Brote werden gestrichen.

Dominik kommt eben bei der Tür herein und nach der kurzen Begrüßung, freut er sich, dass er diese Woche das Amt „Kaninchen füttern" hat! Der kleine semmelfarbene FELIX bekommt auch seinen Käfig frisch geputzt und er hilft beim Zusammenkehren fleißig mit!

Andere Kinder finden nach freier Wahl weitere unterschiedliche Beschäftigungen wie z.B. die Arbeit mit den Einsatzzylindern, Bauen in der Bauecke, mit den großen Hüten der Verkleidungsecke die Puppenkinder besuchen oder in der Experimentierecke Beobachtungen machen u.v.m.

 

Um 9 Uhr wird der Gong für den Morgenkreis geläutet. Nun holen die Kinder einen Polster und setzen sich in einem Kreis, der in der Mitte des Raumes aufgeklebt ist, nieder. Inzwischen sind auch die weiteren Pädagogen da und auch eine Kerze sowie Anschauungsmaterial liegen schon bereit! Nach einem Morgen-Begrüßungslied werden die für heute vorbereiteten Arbeiten und Tagesaktionen erzählt.

Danach sind Besprechungen über unsere Projektarbeit bzw. Themengebiete wichtig, auch lieben die Kinder das gemeinsame Singen und Musizieren.

Danach wird unser Erzählstein, ein geschliffener Rosenquarz, herumgereicht. Das Kind, das diesen eben in der Hand hält kann nun von sich seinen Erlebnissen, Gefühlen, Erfahrungen, Wünschen.... berichten! Einer spricht, die anderen hören zu!

Zum Schluss ist noch Zeit, wenn nötig ein „Kinderparlament" abzuhalten! Dabei werden Themen wie z.B. soziale Eingliederung oder Ausgrenzungen, Umgang miteinander, Umgang mit Raum, Material... besprochen und auch gemeinsame Regeln oder Ordnungssysteme besprochen!

Dann wird der Kreis aufgelöst, ab nun ist der Jausentisch als Buffet geöffnet!

Die Kinder können nun zwischen den gesetzten Angeboten wählen und auch der freien Wahl nachgehen! Auch die Möglichkeit für je 2 Kinder – für eine halbe Stunde nach Liste eingetragen in den Garten oder Bewegungsraum zu gehen – ist möglich!

Dies erfordert großes Vertrauen seitens uns Pädagogen, da die Kinder alleine mit einem Wecker die Zeit kontrollieren aber auch die Regeln gut kennen und einhalten müssen!

Im Raum herrscht nun geschäftiges Treiben, z.B. Bücher lesen, Materialarbeit, Experimentiermöglichkeiten, Bastelideen umsetzen, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Geschichten, Erzählungen, Lieder, Gedichte, Musizieren, Stille-Übungen, Rhythmik, Turnstunden, Impulse in den Freispiel-Ecken, ... u.v.m. je nach Tag, Themenwahl und Interessen der Kinder!

 

Die Pädagoginnen müssen über alles Überblick bewahren, beobachten dabei ständig die Kinder und oder stehen auch als Hilfe für diverse Arbeiten zur Verfügung! Mit Hilfe einer Beobachtungsmappe werden Orientierung und Überblick über Entwicklungsstände gewahrt, um jedes Kind individuell dort abzuholen wo es steht!

 

Um 12 Uhr findet das Mittagessen statt. Die größeren Kinder decken den Mittagstisch mit dem dafür vorbereiteten Geschirr, Besteck, Gläser usw. Auch zum Händewaschen und als Essenshilfen für die Jüngsten sind sie herzlich eingeladen! Während die jüngeren Kinder nun schlafen gehen, wird für unsere Älteren ein altersgemäßes Programm angeboten.

Der Kindergarten ist bis 17.30 Uhr geöffnet und für nachmittags werden eine Jause sowie weitere Kleingruppenarbeiten vorbereitet.

Die Pädagoginnen im Montessori-Kinderhaus bieten nach Maßgabe der Kinderinteressen, Begabungen und des Entwicklungsstandes des einzelnen Kindes das passende Material an und beobachten ständig. Die Kinder werden selbständig, sicher in ihren Entscheidungen und finden Halt in ihrer Eigenständigkeit.

 

Besonders schön ist für mich, wenn die Kinder bereits freudig und fröhlich in den Kindergarten kommen und ihn auch so wieder verlassen!

 

Doris Fross, Montessori-Pädagogin